Die Mitte Aargau unterstützt die Anpassung des Richtplans zur Umfahrung Wohlen. Der veraltete Eintrag der bisherigen Südumfahrung soll durch die beiden langfristigen Optionen «Zentrumsentlastung Mitte» und «Zentrumsentlastung Süd» ersetzt werden. Gleichzeitig ist für die Mitte klar: Die Raumsicherung ist kein Bauentscheid. Kurz- und mittelfristig müssen zuerst konkrete Verbesserungen umgesetzt und deren Wirkung nachvollziehbar überprüft werden.
Die Verkehrssituation in Wohlen beschäftigt Gemeinde und Kanton seit Jahren. Die vertiefte Zweckmässigkeitsbeurteilung hat fünf mögliche Umfahrungsvarianten untersucht. Sie kommt zum Ergebnis, dass eine Umfahrung zwar Verkehr aus dem Zentrum verlagern könnte, der Nutzen die hohen Kosten und die Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht ausreichend aufwiegt. Der Kanton will deshalb kurzfristig unter anderem Verkehrsmanagement, Knotenoptimierungen sowie Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr, Fuss- und Veloverkehr weiterverfolgen. Langfristig soll eine Umfahrung als Handlungsoption erhalten bleiben.
Die Mitte Aargau trägt diesen Ansatz mit. Sie unterstützt die Entlassung des bisherigen, auf einer Planung aus den 1980er-Jahren beruhenden Richtplaneintrags und die Aufnahme der beiden neuen Korridore als Zwischenergebnis. Damit bleibt der notwendige Planungsspielraum erhalten, ohne bereits heute ein konkretes Strassenprojekt, einen Kredit oder eine spätere Realisierung festzulegen.
Wir wollen die Verkehrsprobleme in Wohlen lösen und gleichzeitig die langfristigen Möglichkeiten nicht verbauen. Einen Korridor im Richtplan zu sichern, bedeutet aber noch lange nicht, heute bereits eine Umfahrung zu beschliessen.
Für die Mitte ist deshalb entscheidend, dass die kurzfristig vorgesehenen Massnahmen nicht einfach angekündigt, sondern konsequent umgesetzt werden. Der Kanton soll deren Wirkung anhand transparenter Verkehrsdaten überprüfen. Erst wenn klar ist, ob Verkehrsmanagement, Knotenoptimierungen und Verbesserungen bei den verschiedenen Verkehrsträgern die gewünschte Entlastung bringen, kann seriös über die Notwendigkeit einer Umfahrung neu entschieden werden.
Auch die finanziellen Dimensionen sprechen dafür, einen späteren Entscheid auf aktualisierte Grundlagen abzustützen. Die heutigen Kostenschätzungen basieren auf der Preisbasis 2019 und weisen eine Unsicherheit von ±30 Prozent auf. Für die Zentrumsentlastung Süd nennt der kantonale Bericht eine Bandbreite von rund 150 bis 275 Millionen Franken, für die Zentrumsentlastung Mitte von rund 350 bis 650 Millionen Franken.
Bei Investitionen in dieser Grössenordnung braucht es aktuelle Zahlen und eine belastbare Finanzierung. Raum sichern: ja. Einen Blankocheck für ein mehrere hundert Millionen Franken teures Projekt gibt es damit aber nicht.
Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Mitte zudem beim Schutz der natürlichen Ressourcen. Der kantonale Bericht beurteilt die Eingriffe ins Grundwasser bei beiden möglichen Korridoren als erheblich und hält fest, dass für eine spätere Festsetzung weitere hydrogeologische Abklärungen notwendig wären. Auch Fragen zu Fruchtfolgeflächen, Wald, Wildtierkorridoren und weiteren Umweltinteressen müssen vor einer allfälligen Realisierung verbindlich geklärt werden.
Für die Mitte Aargau ist die Richtplananpassung deshalb ein sinnvoller Schritt der Raumsicherung: Der überholte bisherige Eintrag wird aktualisiert, langfristige Handlungsoptionen bleiben erhalten und gleichzeitig wird kein milliardenschwerer Automatismus in Gang gesetzt. Entscheidend ist nun, dass die kurzfristigen Massnahmen umgesetzt, ihre Wirkungen gemessen und die Grundlagen für einen allfälligen späteren Entscheid aktualisiert werden.