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Mehr Sachlichkeit in der Diskussion um die erzo KVA

6. März 2026

Leserbrief von Grossrat und Stadtrat Robert Weishaupt, Zofingen

Mit Erstaunen habe ich am Dienstag in der Grossratssitzung die Aussagen von Grossrat Martin Brügger zum geplanten Ausbau der erzo KVA in Oftringen gehört und sie am Mittwoch in dieser Zeitung nochmals gelesen. Erstaunlich deshalb, weil ein grosser Teil seiner Aussagen schlicht nicht stimmen. Wer sich etwas genauer mit der Materie befasst, merkt schnell, dass die vorgebrachten Behauptungen einer sachlichen Prüfung nicht standhalten.

Zunächst zur angeblichen „Schwäche” der kantonalen Steuerung: Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, dass erst nach dem Bau einer Anlage festgelegt wird, welche Mengen verwertet werden dürfen. Das Verfahren ist klar geregelt. Der Richtplan legt nur den Standort fest, nicht jedoch die Betriebsdetails. Die effektive Kapazität und der Betrieb werden im Baubewilligungs- und Betriebsbewilligungsverfahren auf Basis aktueller Prognosen und Umweltprüfungen festgelegt. Genau so sieht es das Umweltrecht vor. Zudem wird kein Betreiber eine überdimensionierte Anlage bauen, die sich am Ende nicht wirtschaftlich betreiben lässt.

Auch die Aussage, die Kapazität sei angeblich zu gross, greift zu kurz. Abfallanlagen werden für mehrere Jahrzehnte geplant und nicht für den kurzfristigen Bedarf einzelner Jahre. Besonders erstaunlich ist die Behauptung, die Anlage im luzernischen Perlen sei nicht ausgelastet. Ein Blick auf die Realität hätte genügt: Die Anlage wurde ursprünglich für rund 200’000 Tonnen pro Jahr gebaut und verwertet heute rund 280’000 Tonnen. Damit läuft sie am Limit. Von mangelnder Auslastung kann also keine Rede sein. Gerade dieses Beispiel zeigt, dass langfristige Planung notwendig ist. Genau deshalb wird auch in der Zentralschweiz über zusätzliche Kapazitäten diskutiert. Das ist auch ein Grund, weshalb sich die Betreiber der Anlage in Perlen am Projekt in Oftringen beteiligen wollen.

Auch die zitierte Zahl von angeblich 25 % Auslandabfall ist nicht korrekt. Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen zeigt ein anderes Bild: In den Jahren 2022 bis 2024 wurden in der erzo-KVA durchschnittlich rund 10’256 Tonnen Abfall pro Jahr aus dem Ausland verwertet. Bezogen auf die Gesamtmenge entspricht das rund 15 %. Diese Menge an Auslandabfall liegt im Übrigen knapp 3’000 Tonnen unter der durchschnittlich angelieferten Menge an Industrie- und Gewerbeabfällen aus den Verbandsgemeinden der erzo KVA.

Eine moderne KVA ist längst mehr als nur eine Entsorgungsanlage. Sie ist gleichzeitig eine Energieanlage: Sie produziert Strom, Fernwärme und Prozesswärme für die Industrie. Damit ersetzt sie fossile Energien wie Öl und Gas.

Schliesslich lohnt sich ein Blick auf die politischen Fakten. Der Grosse Rat hat der Einzonung der Parzelle für den Ersatzbau der erzo KVA einstimmig zugestimmt. Offensichtlich waren sich damals alle Fraktionen einig, dass dieser Standort wie auch der geplante Ersatzneubau richtig und sinnvoll sind.

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