Kantonale Wasserversorgung
25. August 2026
Postulat betreffend kantonale Wasserversorgung vom 25. August 2026 der Fraktion Die Mitte (Sprecher Dr. Philipp Laube, Lengnau)
Text:
Der Regierungsrat wird eingeladen, einen Bericht vorzulegen, der aufzeigt, wie die Wasserversorgung des Kantons Aargau unter den Bedingungen des Klimawandels, des Bevölkerungswachstums, steigender Qualitätsanforderungen und zunehmender Nutzungskonflikte langfristig weiterentwickelt werden kann. Dabei soll insbesondere geprüft werden, ob die grossen Grundwasserressourcen entlang der Aare, der Reuss und der Limmat künftig stärker als überregionale Hauptversorgungen für Trinkwasser wie auch für Bewässerungswasser genutzt werden sollen.
Begründung:
Der Kanton Aargau verfügt als Wasserschloss der Schweiz mit den grossen Grundwasserströmen entlang von Aare, Reuss und Limmat über aussergewöhnlich ergiebige Wasserressourcen. Gleichzeitig steigen die Herausforderungen für die Trinkwasserversorgung. Der Klimawandel verändert die hydrologischen Verhältnisse, die Bevölkerung wächst, die Anforderungen an den Ressourcenschutz nehmen zu und neue Belastungen durch Spurenstoffe rücken zunehmend in den Fokus.
Der Kanton hält fest, dass verschiedene Wasserfassungen in den vergangenen Jahren aufgegeben werden mussten, weil die Anforderungen an den Gewässerschutz nicht mehr erfüllt werden konnten. Gleichzeitig gewinnen regionale Vernetzungen und neue Versorgungsstrukturen zunehmend an Bedeutung.
Die Wasserstrategie des Kantons setzt auf eine regional koordinierte Zusammenarbeit und weist ausdrücklich darauf hin, dass in den grossen Flusstälern noch Ausbaupotenziale für die Trinkwassergewinnung bestehen, welche insbesondere für grundwasserärmere Seitentäler relevant werden können.
Die Diskussion über die zukünftige Trinkwasserversorgung darf sich jedoch nicht auf die Frage der verfügbaren Wassermenge beschränken. Ebenso wichtig ist die langfristige Sicherstellung der Wasserqualität. Die Grundwasserqualität steht schweizweit unter Druck. Nitratbelastungen, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und deren Metaboliten sowie neue Problemstoffe wie PFAS stellen Wasserversorgungen zunehmend vor Herausforderungen.
Die grossen Talgrundwasserströme bieten die besten Möglichkeiten, Qualitätsprobleme technisch und organisatorisch zu bewältigen. Aufgrund ihrer Grösse und ihrer hohen Förderkapazitäten ermöglichen sie die Mischung von Rohwasser unterschiedlicher Herkunft, eine flexible Steuerung der Wiedergewinnung, die Verteilung von Risiken auf mehrere Fassungen sowie den wirtschaftlichen Einsatz moderner Aufbereitungstechnologien. Solche Lösungen lassen sich bei wenigen grossen Versorgungen in der Regel effizienter umsetzen als bei einer Vielzahl kleiner Anlagen. Dies analog zu den Abwasserreinigungsanlagen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die grundsätzliche strategische Frage, ob die historisch gewachsene Struktur mit zahlreichen lokalen Fassungen und Pumpwerken langfristig noch dem öffentlichen Interesse entspricht oder ob die grossen Grundwasserreserven des Kantons künftig stärker als regionale Hauptversorgungen genutzt werden sollten. Es ist nämlich für die Bevölkerung unverständlich, wenn in einer Gemeinde Einschränkungen beim Wasserbezug bestehen, im Nachbardorf aber keine.
Der Bericht soll deshalb aufzeigen, ob ein stärker regionalisiertes Versorgungssystem mit wenigen grossen Gewinnungsstandorten und leistungsfähigen regionalen Verteilnetzen langfristig Vorteile bezüglich Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Wasserqualität, Ressourcenschutz, Landwirtschaft und Raumentwicklung bieten könnte.
Insbesondere sind folgende Fragen zu untersuchen:
- Welche zusätzlichen Wassermengen als Trinkwasser- und als Bewässerungswasser aus den grossen Talgrundwasserströmen entlang von Aare, Reuss und Limmat langfristig und nachhaltig genutzt werden könnten.
- Ob die heutige, historisch gewachsene Struktur mit einer grossen Anzahl dezentraler Trinkwasserfassungen und Pumpwerke langfristig die wirtschaftlich, ökologisch und versorgungs-technisch optimale Lösung darstellt.
- Welche technischen, finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen notwendig wären, um einen deutlich höheren Anteil der Trink- und Bewässerungswasserversorgung über wenige grosse und besonders ergiebige Grundwasserfassungen mit regionalen oder kantonsweiten Transport- und Verbundnetzen sicherzustellen.
- Welche Auswirkungen eine solche Entwicklung auf die Versorgungssicherheit, die Resilienz gegenüber Trockenperioden, die Investitions- und Betriebskosten sowie die langfristige Verfügbarkeit von Wasser hätte.
- In welchem Umfang Trinkwasserschutzzonen reduziert, konzentriert oder neu ausgerichtet werden könnten und welche Chancen sich daraus für Landwirtschaft, Raumplanung, Siedlungsentwicklung und Infrastrukturprojekte ergeben würden.
- Wie sich die Wasserversorgung in anderen Kantonen und im benachbarten Ausland entwickelt und welche Erkenntnisse aus grossräumig organisierten Versorgungssystemen gewonnen werden können.
- Welche strategischen Varianten für die Wasserversorgung des Kantons mit einem Zeithorizont bis 2050 beziehungsweise 2080 denkbar sind.
- Welche organisatorischen, technischen und wirtschaftlichen Vorteile sich bei der Bewältigung von Qualitätsproblemen wie Nitrat, Pflanzenschutzmittel-Metaboliten, PFAS sowie weiteren Mikroverunreinigungen durch eine stärkere Konzentration der Trinkwassergewinnung auf wenige grosse und ergiebige Grundwasservorkommen ergeben könnten. Die grossen Grundwasservorkommen bieten insbesondere Möglichkeiten zur Mischung verschiedener Rohwässer, zur flexiblen Bewirtschaftung der Fassungen sowie zur zentralen Anwendung moderner Aufbereitungstechnologien.
