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1. August Rede von Edith Saner und Roman Wyler in Fislisbach

1. August 2026

Rede zum 1. August 2026 im Alterszentrum am Buechberg AG in Fislisbach

Lieber Thomas, liebe Bewohnerinnen und Bewohner hier im Alterszentrum Fislisbach, liebe Mitarbeitende, liebe Gäste, liebe Musizierende des Tuba-Quartett Grey Heads

Vielen Dank für die Einladung zur Nationalfeier bei Ihnen im Alterszentrum.

Ich danke dem Geschäftsleiter Thomas Rohrer und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Organisation dieser Feier und den grossen Einsatz. Ein solcher Anlass findet nur statt, weil alle ein gemeinsames Ziel haben: den Nationalfeiertag für alle Bewohnerinnen und Bewohner zu einem speziellen Tag zu machen.

Ebenfalls bedanke ich mich für die musikalische Umrahmung.

Auf der Einladung steht, dass ich mit dem Alterszentrum seit Jahren verbunden bin. Ja, das ist so,- ich war über viele Jahre Verwaltungsratspräsidentin und habe diese anspruchsvolle Arbeit sehr gerne gemacht. Diese Erfahrung hat mich stark geprägt und es ist für mich immer eine Ehre, wieder ins Alterszentrum am Buechberg zu kommen.

Als ich für die 1. August-Rede angefragt wurde, habe ich aus Überzeugung und mit Freude zugesagt.

Und weil ich ein Mensch bin, der immer wieder etwas Neues ausprobieren will, habe ich mir überlegt, wie es wäre, wenn ich diese Rede mit einem Gemeinderat oder einer Gemeinderätin aus einer Verbandsgemeinde machen würde. Zu zweit – ein gemeinsames Thema mit verschiedenen Blickwinkeln. Und da ich Roman Wyler, Gemeinderat aus Remetschwil gut kenne, habe ich ihn angefragt, ob er mitmachen würde. Seine spontane Zusage hat mich gefreut. Und so sind wir heute zu zweit hier.

Roman Wyler und ich haben uns zum diesjährigen 1. August die Frage gestellt: Wie wichtig ist der Zusammenhalt unserer Gesellschaft? Wie war dies, als viele von Ihnen, die uns zuhören, so um 10 Jahre alt waren? Wie haben Sie früher den Zusammenhalt in Ihrer Familie, in Ihrem Umfeld, in der Schweiz erlebt? Und wie wichtig war Ihnen der Zusammenhalt in Ihrem langen Leben?

Fragen über Fragen, was uns, was die Schweiz, unsere Gesellschaft zusammenhält.

Persönlich bin ich überzeugt, dass der Zusammenhalt unserer Gesellschaft heute genauso wichtig ist, wie vor 60 oder 70 Jahren. Zusammen etwas erleben, einander in guten wie schwierigen Zeiten zu unterstützen, – das stärkt das gegenseitige Verständnis und gibt uns Halt und Sicherheit für Lebenssituationen, die schwierig oder nicht einfach sind.

Als ich das diesjährige 1. August-Abzeichen sah, musste ich schmunzeln. Es symbolisiert den Zusammenhalt mit einem Klettverschluss und einer Sicherheitsnadel. Der Klettverschluss, der zum Beispiel verschiedene Stoffe zusammenhält, – und die Sicherheitsnadel, die es laut Überlieferung bereits in der späten Bronzezeit für das Zusammenhalten von Kleidern gab.

Der Zusammenhalt ist somit am diesjährigen 1. August ein wichtiges Thema. Vielleicht kein Zufall, – in einer Welt von Gegensätzen, Polarisierungen und Konflikten. Wichtig, gerade heute an unserem Nationalfeiertag dem Zusammenhalt Raum zu geben.

Letzthin habe ich folgendes Sprichwort aus Afrika gelesen:

«Einer allein kann kein Dach tragen.»

Ja, um stark zu sein, etwas zu tragen oder zu ertragen, braucht es andere Menschen. Menschen, die Hilfe anbieten, die da sind, die unterstützen und begleiten. Menschen, die nicht polarisieren, sondern denen die Gemeinschaft und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft wichtig sind. Menschen, die da sind, wie eine Sicherheitsnadel und Gegensätze verbinden.

Schon als Kind habe ich den Zusammenhalt in unserer Familie und unserem Umfeld schätzen gelernt. Gemeinsame Anlässe, Festivitäten, und alltägliche Ritual haben uns als Gemeinschaft gestärkt. Der Nationalfeiertag war für uns etwas Besonderes. Tagelang haben wir gemeinsam Holz für das Höhenfeuer gesammelt und uns auf die vielfältigen Raketen, bengalische Zündhölzer und die saftig gebratenen Cervelats  gefreut. Mit geröteten Wangen und leuchtenden Augen fühlten wir uns in dieser Gemeinschaft, dem Zusammenhalt wohl und aufgehoben.

Ich freue mich nun sehr zu hören, was mein Kollege, Roman Wyler zum Thema Zusammenhalt sagt. Welche Bedeutung hat derZusammenhalt für ihn als Vertreter einer jüngeren Generation? Und welche Bedeutung hat der Zusammenhalt in unserer Zeit, – und vielleicht auch hier im Alterszentrum?

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Zusammenhalt steht für zäme hebe, zäme stah. Dies war vor hundert Jahren nicht anders als heute. Geändert haben nicht die Bedeutung des Zusammenhaltes sondern die Umstände. Viele von Ihnen sind in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Ihre Väter haben vielleicht Aktivdienst geleistet, Ihre Mütter mussten ev. mit Lebensmittelkarten einkaufen. Sie haben vielleicht noch Hunger oder Angst erlebt. Auch dies kann ein Gefühl des Zusammenhaltes hervorrufen. Zusammen schwierige Zeiten durchleben schweisst zusammen. Ich bin zwei Generationen später auf die Welt gekommen. Wir mussten weder Angst noch Hunger haben. Der Krieg war etwas Abstraktes, ganz weit weg. Und als dann die Mauer in Berlin gefallen ist, machte sich das Gefühl des ewigen Friedens breit. Sozusagen der «Zusammenhalt» der Weltbevölkerung im Frieden zusammenzuleben. Die jüngere Generation ist gefordert wieder zu  lernen, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Umso wichtiger, dass Menschen zusammenstehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Zäme hebe, zäme stah habe ich in der Ehrenamtlichkeit ganz oft und über viele Jahre erlebt. Sei es im Turnverein, im Schwingklub oder in der Feuerwehr. Zäme chrampfe, zäme kämpfe, zäme fiire und zäme brüele. Zusammen etwas erreichen, manchmal auch zusammen scheitern. Ich mag mich noch gut dran erinnern, ich war damals Präsident vom Schwingklub Baden-Brugg, als wir dringenden Sanierungsbedarf unserer Schwinghalle erkannt haben. Und dies mit ein paar 10’000.- Franken auf dem Konto. Der Vorstand hat ein Budget erstellt und die Planung an die Hand genommen. Nach rund 5 Jahren, zwei erfolgreichen Schwingfesten und aberhunderte von ehrenamtlichen Stunden, konnten wir eine frisch renovierte Schwinghalle einweihen. Beinahe alles mit Eigenmitteln und eigener Handarbeit. Dieses Gefühl, zusammen etwas erreicht zu haben, was noch ein paar Jahre zuvor absolut unmöglich erschien, schweisst enorm zusammen und vermittelt ein wunderbares Gefühl des Zusammenhaltes.

Der Zusammenhalt kann auch aus der Verzweiflung heraus entstehen. Am 1. August 1291 haben sich aus Angst vor weiterer Unterdrückung der Habsburger, die drei tapferen Innerschweizer Werner Stauffacher aus Schwyz, Walter Fürst aus Uri und Arnold von Melchtal aus Unterwalden auf der Rütliwiese getroffen und schworen sich gegenseitige Treue und Unterstützung gegen die Unterdrückung durch habsburgische Vögte. Daraus resultierte das allgemeine Bekenntnis:

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

So hat Friedrich Schiller die Geschichte später in seinem berühmten Drama «Wilhelm Tell» erzählt und damit den Gedanken von Freiheit und Zusammenhalt über Generationen weitergetragen. Hätte es die drei mutigen Eidgenossen nicht gegeben die damals zusammengestanden sind und sich gegen die Herrschaft der Vögte zur Wehr setzten, wie Gessler einer war, wer weiss wie die Schweiz heute aussehen würde. Zum Glück leben wir nicht mehr wie vor 735 Jahren. Die grosse Welt wirkt heute näher als früher. Mit der Globalisierung, dem Internet und den unzähligen und schnellen Medien, beschränkt sich unser Bewegungsraum nicht mehr auf ein paar wenige Kantone, wie es damals bei unseren drei Helden der Fall war. Heute von fremden Vögten zu sprechen und Hellebarden zu schwingen, passt nicht mehr in unsere Zeit. In der heutigen Zeit muss der Zusammenhalt grösser gedacht werden. Vielleicht sogar europaweit, um den diktatorischen Mächten mit den narzisstischen Herrschern die Stirne bieten zu können.

Wenn ich heute hier in die Runde schaue, sehe ich viele Menschen, die ihr ganzes Leben lang Zusammenhalt gelebt haben. In der Familie, im Beruf, im Verein, in der Nachbarschaft oder im Dienst für unser Land.

Die Schweiz ist nicht wegen ihrer Berge erfolgreich geworden. Sie ist erfolgreich geworden, weil Generationen vor uns Verantwortung übernommen haben. Weil Menschen füreinander eingestanden sind. Weil sie zäme ghebet hend und zäme gstande sind.

Zusammenhalt entsteht nicht in Bundesbern. Er entsteht nicht auf dem Handy und nicht in den sozialen Medien. Er entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, einander zuhören und füreinander da sind.

Gerade in einer Zeit, in der vieles trennt, sollten wir uns daran erinnern, was uns verbindet.

Wenn wir das schaffen, dann hat die Idee, die hinter unserem Nationalfeiertag steht, auch nach 735 Jahren nichts von ihrer Kraft verloren.

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„Liebe Edith, liebe Bewohnerinnen und Bewohner, Lieber Thomas, liebe Mitarbeitende, liebe Gäste, wir haben in unserer Rede über Zusammenhalt gesprochen. Über Zusammenhalt in schwierigen Zeiten, über Zusammenhalt bei gemeinsamen Projekten und über Zusammenhalt in unserem Land.“

„Am Ende entsteht Zusammenhalt nicht durch grosse Worte. Er entsteht durch Menschen. Durch Menschen, die einander wahrnehmen, füreinander da sind und sich gegenseitig Halt geben.“

„Genau wie ein Klettverschluss oder eine Sicherheitsnadel: Kleine Dinge können Grosses zusammenhalten.“

„In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen schönen 1. August. Stönd zäme, hebed zäme, vorallem aber: Hebed Sorg zunenand.“

RednerIn

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